Nach dem Ausstieg von Terry Butler (Bass) und Greg Gall (Drums) im vergangenen Jahr war es nicht gut bestellt um die Kult-Deather aus Florida. Der Verlust schlug gerade deshalb so stark ein, da es sich um Gründungsmitglieder der Band handelte. Chris Barnes sowie Gitarrist Steve Swanson standen also alleine da. Doch was wären Six Feet Under, wenn sie ihre Mannschaft nicht in Windeseile wieder vervollständigen könnten?
Mit Kevin Talley an den Kesseln sowie Jeff Hughell am Bass brachten sich Chris und Steve zwei überaus talentierte neue Kollegen mit ins Haus. Und weil die Musikantensuche gerade so gut lief, gönnte man sich sogar noch einen zweiten Gitarristen, und zwar den Ex-Chimaira Klampfer Rob Arnold. Dass sich die Umstrukturierung gelohnt hat, ist auf der neuen Scheibe zu hören.
Zugegeben, allein so aussagekräftige Songtitel wie “Frozen At The Moment Of Death”, “Molest Dead” oder “Near Death Experience” lassen keine großartigen Überraschungen erwarten, ganz abgesehen von dem Namen des Albums: “Undead”. Ziemlich viel Tod auf einem Haufen also.
Den Ohren allerdings wird weit mehr geboten, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Gerade was das Songwriting angeht, konnte sich die Band in eine neue, abwechslungsreichere Richtung entwickeln. Das typische Six Feet Under Flair geht dabei keinesfalls verloren, sondern wird lediglich aufgefrischt.
An einigen Stellen zeigt sich eindrucksvoll, wie sehr diese Musik von zwei Gitarren profitiert. In der Zukunft darf das Zusammenspiel aber gerne noch intensiviert werden, denn die zweite Gitarre sticht doch noch zu selten heraus. Dieser Umstand wirkt sich dank der starken Songs aber keinesfalls negativ auf das Gesamtbild von “Undead” aus.
Die Lieder weisen ausnahmslos radiofreundliche Spielzeiten auf, natürlich ohne auch nur ansatzweise radiofreundliche Inhalte anzubieten. Dabei gurgelt sich Barnes inbrünstig wie schon lange nicht mehr in die Herzen der geneigten Todmetaller.
Doch nicht nur die Stimme hat ein ordentliches Maß an Kraft gewonnen. Die gesamte Produktion hebt sich im Hinblick auf den Sound enorm von ihren Vorgängern ab – insbesondere von Chris Barnes’ selbst produzierten “Death Rituals” – und kommt somit der brachialen Soundwand der Liveshows erstaunlich nahe. Dass “Undead” ein Konzert von Six Feet Under dennoch nicht ersetzen kann, sollte klar sein. Bei zukünftigen Gigs kann sich somit vor allem auf die neue Besetzung und auf den Song “Delayed Combustion Device” gefreut werden.
Fakten
Band: Six Feet Under
Herkunft: USA
Album: Undead
Label: Metal Blade Records
VÖ-Datum: 22.05.2012
Genre: Death Metal
Titelanzahl: 12
Dauer: 40:13
Gigs: Wacken Open Air, 12.8. Berlin (Postbahnhof), 13.8. München (Backstage), 15.8. Essen (TUROCK), Summer Breeze Festival, 18.8. Hamburg (Grünspan)