Album-Review: Six Feet Under – Undead

Nach dem Ausstieg von Terry Butler (Bass) und Greg Gall (Drums) im vergangenen Jahr war es nicht gut bestellt um die Kult-Deather aus Florida. Der Verlust schlug gerade deshalb so stark ein, da es sich um Gründungsmitglieder der Band handelte. Chris Barnes sowie Gitarrist Steve Swanson standen also alleine da. Doch was wären Six Feet Under, wenn sie ihre Mannschaft nicht in Windeseile wieder vervollständigen könnten?
Mit Kevin Talley an den Kesseln sowie Jeff Hughell am Bass brachten sich Chris und Steve zwei überaus talentierte neue Kollegen mit ins Haus. Und weil die Musikantensuche gerade so gut lief, gönnte man sich sogar noch einen zweiten Gitarristen, und zwar den Ex-Chimaira Klampfer Rob Arnold. Dass sich die Umstrukturierung gelohnt hat, ist auf der neuen Scheibe zu hören.

Zugegeben, allein so aussagekräftige Songtitel wie “Frozen At The Moment Of Death”, “Molest Dead” oder “Near Death Experience” lassen keine großartigen Überraschungen erwarten, ganz abgesehen von dem Namen des Albums: “Undead”. Ziemlich viel Tod auf einem Haufen also.
Den Ohren allerdings wird weit mehr geboten, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Gerade was das Songwriting angeht, konnte sich die Band in eine neue, abwechslungsreichere Richtung entwickeln. Das typische Six Feet Under Flair geht dabei keinesfalls verloren, sondern wird lediglich aufgefrischt.
An einigen Stellen zeigt sich eindrucksvoll, wie sehr diese Musik von zwei Gitarren profitiert. In der Zukunft darf das Zusammenspiel aber gerne noch intensiviert werden, denn die zweite Gitarre sticht doch noch zu selten heraus. Dieser Umstand wirkt sich dank der starken Songs aber keinesfalls negativ auf das Gesamtbild von “Undead” aus.

Die Lieder weisen ausnahmslos radiofreundliche Spielzeiten auf, natürlich ohne auch nur ansatzweise radiofreundliche Inhalte anzubieten. Dabei gurgelt sich Barnes inbrünstig wie schon lange nicht mehr in die Herzen der geneigten Todmetaller.
Doch nicht nur die Stimme hat ein ordentliches Maß an Kraft gewonnen. Die gesamte Produktion hebt sich im Hinblick auf den Sound enorm von ihren Vorgängern ab – insbesondere von Chris Barnes’ selbst produzierten “Death Rituals” – und kommt somit der brachialen Soundwand der Liveshows erstaunlich nahe. Dass “Undead” ein Konzert von Six Feet Under dennoch nicht ersetzen kann, sollte klar sein. Bei zukünftigen Gigs kann sich somit vor allem auf die neue Besetzung und auf den Song “Delayed Combustion Device” gefreut werden.

Fakten
Band: Six Feet Under
Herkunft: USA
Album: Undead
Label: Metal Blade Records
VÖ-Datum: 22.05.2012
Genre: Death Metal
Titelanzahl: 12
Dauer: 40:13
Gigs: Wacken Open Air, 12.8. Berlin (Postbahnhof), 13.8. München (Backstage), 15.8. Essen (TUROCK), Summer Breeze Festival, 18.8. Hamburg (Grünspan)

Album-Review: 3 Inches of Blood – Long Live Heavy Metal

Weiber, Schwerter, Leder. In dieser Reihenfolge beginnt das aktuelle Werk der kanadischen Schreihälse 3 Inches of Blood. Der Titel ihres fünften Albums kann kaum klischeehafter ausfallen und sollte hoffentlich unser aller Leitspruch sein: “Long Live Heavy Metal”. Wer die tausendste Liebeserklärung an den Metal in seiner sonst so typischen Weise erwartet, wird zumindest auf textlicher Ebene nicht enttäuscht. Die Inhalte drehen sich mal wieder um alles, was den eingefleischten Metal-Krieg-und-Stahl-Fetischisten in seinen Bann zieht. Aber man sollte sich auch auf eine Reihe von Elementen einstellen, die wohl in keiner anderen Band in solch großem Umfang vorzufinden sind. “Long Live Heavy Metal” ist nämlich ein großes Rundum-Sorglos-Paket aus klassisch und modern geprägten Riffs, Melodien und Vocals.

In das hymnenhafte “Metal Woman” kann gleich jeder gesanglich einsteigen, während bei “My Sword Will Not Sleep” besonders die melodiöse Gitarrenarbeit heraussticht. Harmonisch geht es meist gediegen zu, wenn auch Songs wie “Leather Lord” das Gegenteil beweisen. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass der Falsett-Gesang von Cam Pipes endlich wieder in einem angemessenen Verhältnis zu den ergänzenden Screams steht. Dieses Merkmal hat die Band schon immer sowohl für Heavy- als auch Death-Metal-Fans attraktiv gemacht.
Und als ob die einmalige Stilkombination nicht schon genug wäre, sind zusätzlich zwei akustische Instrumentals auf “Long Live Heavy Metal” vorzufinden. Das gab es zwar schon auf dem Vorgängeralbum, erinnert hier aber auch ein bisschen an alte Zeiten von “Battle Cry Under A Winter Sun”.

Wer sich dem Heavy Metal zugeneigt fühlt und obendrein noch aufgeschlossen für andere Stile ist, sollte seinen Ohren dieses Album nicht vorenthalten. Griesgrämige Oldschooler allerdings – und zwar aus der Heavy- und der Death-Metal-Fraktion – sollten vielleicht die Finger von “Long Live Heavy Metal” lassen, sonst sind Sprüche der Marke “Das ist doch kein reiner Metal!” wohl programmiert. Doch um jene Miesepeter soll es ja nicht gehen. Vielmehr wollen wir uns davon beeindrucken lassen, wie es sich anhört, wenn man Vergangenheit und Gegenwart in musikalischen Einklang bringt. Was herauskommt, ist Zukunft. Und die sieht vielversprechend aus, für 3 Inches of Blood und den Heavy Metal gleichermaßen.

Fakten
Band: 3 Inches of Blood
Herkunft: Kanada
Album: Long Live Heavy Metal
Label: Century Media Records
VÖ-Datum: 23.03.2012
Genre: Heavy Metal
Titelanzahl: 12
Dauer: 52:48
anstehende Gigs: Turock Essen (5.5.), 1210 Stuttgart (15.5.), Feierwerk-Orangehouse München (17.5.), Chemiefabrik Dresden (23.5.), Markthalle Hamburg (24.5.), K17 Berlin (26.5.)

Album-Review: Naglfar – Téras

Der Begriff “Extreme Metal” bekommt auf der aktuellen Scheibe von Naglfar eine ganz neue Bedeutung. Diese folgt nämlich ganz dem Lauter-Fetter-Brachialer-Trend, dem sich kaum eine moderne Produktion entziehen kann. Dass sich Black Metal für dieses Aufmotzen des Sounds nicht besonders gut eignet, stellt sich (einmal mehr) auf “Téras” heraus. Hier ist alles viel zu dumpf, wo bleibt denn bloß das für den Black Metal so typische Krächzen? Oder wird tatsächlich immer noch der Versuch betrieben, dieses Subgenre zu domestizieren, um es auf die breite Masse loslassen zu können?

Eigentlich schade, denn was die Schweden hier nach fünfjähriger Wartezeit präsentieren, erfüllt alle Erwartungen an eine gelungene Melodic Black Metal Platte. Angriffslustige Riffs gepaart mit treibenden Blastbeats dienen als Grundlage und werden von feinsten Melodien ergänzt. Eine besondere Stärke zeigen Naglfar bei ruhigeren Nummern (“The Monolith”), die im Kontrast zu Blastausbrüchen wie “An extension of his arm and will” stehen. Aus harmonischer Sicht beschert uns “Téras” einige Momente der Gänsehautstimmung, man blicke nur auf großartige Stücke wie “Invoc(H)ate” oder “Come Perdition”.

Auf den ersten Eindruck mag das gesamte Album schlicht klingen, aber vielleicht ist es ja gerade diese Einfachheit, durch die eine Platte wie “Téras” gleich beim ersten Hören überzeugt. Gelungen – und Gegenbeweis für Einfallslosigkeit – ist vor allem der Bogen, der sich zwischen dem Titeltrack und “The dying flame of existence” schließt. Dazwischen geht es meistens heiß her, doch auch die Bremse wird gelegentlich gezogen. Die Riffs, welche unmittelbar aus der Hölle entsprungen sein könnten, harmonieren perfekt mit den epischen und gefühlvollen Passagen. Ein absolut rundes Album also, dass es in sich hat – und bestimmt auch ohne den übertrieben aufgepumpten Sound hätte.

Fakten
Band: Naglfar
Herkunft: Schweden
Album: Téras
Label: Century Media Records
VÖ-Datum: 26.03.2012
Genre: Melodic Black Metal
Titelanzahl: 9
Dauer: 44:37
Sonstiges: Die Band besteht nur noch aus drei Personen. Für dieses Album hat man sich den Drummer “Napalm” Dirk Verbeuren von Soilwork ausgeliehen.

Album-Review: Cannibal Corpse – Torture

Da soll noch einer sagen, Death Metal à la Cannibal Corpse sei nichts als heilloses Durcheinander. Was der Corpsegrinder und seine Prügelknaben auf ihrem neuen Machwerk abliefern, ist nämlich alles andere als ein chaotisches Hämmern. Auf „Torture“ bekommen sowohl Headbanger als auch Zombies serviert, was sie brauchen. Eine Portion kräftige Gitarren, eine Prise harte und schnelle Growls, eine ausgewogene Mischung übelster Knüppelparts und grooviger Midtempo-Stücke. Alles beim Alten also, könnte man meinen. Doch dieses Album wird erst durch zusätzliche Geheimzutaten zu dem, was es ist.

Die Eingängigkeit der Songs ist im Vergleich zu den bisherigen Platten um ein gutes Maß gestiegen. So hauen uns nicht bloß etliche Riffs sofort beim ersten Hören um, auch einen gewissen Mitgrowlfaktor bringt „Torture“ mit sich. „Demented Aggression“ bildet den perfekten Einstieg ins Album und setzt sich sofort im Kopf fest, „As deep as the knife will go“ kann sogar schon als Ohrwurm bezeichnet werden. Insbesondere in „The Strangulation Chair“ demonstriert Bassist Alex Webster sehr eindrucksvoll seine Fingerfertigkeit, die uns bei Cannibal Corpse ruhig öfter etwas vordergründiger präsentiert werden könnte.
Auf Gitarrensoli trifft man hingegen nicht mehr so oft, was der Gesamtwirkung von „Torture“ dennoch keinesfalls schadet. Wie gewohnt ist das spieltechnische Niveau extrem hoch, ohne sich in überladener Frickelei zu verlieren. Beeindruckend ist vor allem die jahrelange Konstanz der Songs, die trotzdem immer noch für neue Überraschungen sorgt, wie es auch das Solo von „Rabid“ tut. Sogar für richtig düstere Songs haben Cannibal Corpse ein Händchen, was bei „Torn Through“ zu hören ist.
Der einzige Punkt, der am Sound zu bemängeln sein könnte, ist die zu undefiniert klingende Bassdrum, die im Gesamtklang ziemlich untergeht.

Mit Aussagen wie „’Torture’ knüpft an Klassiker wie ‘Butchered at birth’ an“ sollte sich zurückgehalten werden, denn über zwanzig Jahre später tut so etwas wirklich keine Band mehr. Dennoch fällt „Torture“ wohl um einiges stärker aus als mehrere seiner Vorgänger und wartet nur darauf, auch Euch der Tortur auszusetzen.

Fakten
Band: Cannibal Corpse
Herkunft: USA
Album: Torture
Label: Metal Blade Records
VÖ-Datum: 13.03.2012
Genre: Death Metal
Titelanzahl: 12
Dauer: 43:51
Sonstiges: limitierte Box-Ausgabe enthält zusätzlich eine Zombie-Puppe

Konzertbericht: Full of Hate Tour – Leipzig, Hellraiser (02.03.2012)

Das Line-Up der Full of Hate Tour gleicht den Headlinern eines Festivals. Wann bekommt man schon an nur einem Konzertabend Größen wie CANNIBAL CORPSE, BEHEMOTH, LEGION OF THE DAMNED und MISERY INDEX zu sehen? SUICIDAL ANGELS haben sich in den letzten Jahren steil nach oben bewegt und wurden mit der Teilnahme an dieser Tour für ihr fleißiges Treiben belohnt. Die noch recht jungen Waliser NEXUS INFERIS hatten ebenfalls das große Los gezogen und durften als Opener spielen.

Am Freitag, den 2. März sollte das Hellraiser in Leipzig mit Hass erfüllt werden. Der gegen 18 Uhr beginnende Auftritt von NEXUS INFERIS war sehr schnell wieder vorbei. Angesichts des miesen Sounds – sobald das Schlagzeug spielte, war von den Gitarren nahezu nichts mehr zu hören – und der eher unausgereiften musikalischen Komponente stellte der rasche Abgang keinen wirklichen Grund zum Trauern dar. Dazu war außerdem gar keine Zeit, denn nach sehr kurzer Umbaupause betraten SUICIDAL ANGELS die Bühne. Dem ausverkauften Hellraiser war ab dem Zeitpunkt anzumerken, wofür sich die Besucher auf den Weg gemacht hatten. Die Moshing Crew kannte keine Gnade im Pit und wurde von der Band immer wieder zur Wall of Death angestachelt. So wünscht man sich Interaktion zwischen Band und Fans.
MISERY INDEX hingegen waren nicht allzu sehr auf Krawall gebürstet und spielten größtenteils nur ihre Songs runter. Rief Herr Kloeppel ausnahmsweise doch mal zu Bewegung auf, platzte die angestaute Energie zumindest aus den ersten Reihen heraus. Der Auftritt hätte also auch perfekt laufen können, denn was Sound und Songs anbelangte, gab es nichts zu bemängeln.

Geht der Schlagzeuger ohnehin schon in seiner wuchtigen Burg unter, müsste man meinen, das nicht noch verstärken zu müssen. Und wie sah es bei LEGION OF THE DAMNED aus? Hinter Bassist und Gitarrist wurden Banner aufgestellt, die den Drummer optisch komplett von der restlichen Band isolierten. Als Entschädigung hatten sich die Niederländer mit schicken schwarzen Hemden besonders fein herausgeputzt. Anfangs wirkte die Band zwar noch etwas gelangweilt, ließ sich aber nach kurzer Zeit auf die ausgelassene Stimmung im Hellraiser ein. Sänger Maurice beeindruckte mit immer besser werdenden Deutschkenntnissen, schwächelte aber hier und da in seinem Taktgefühl. Dennoch bot die Band eine absolut gelungene Show und der Höhepunkt des Abends schien bereits hier erreicht.

Album-Review: Napalm Death – Utilitarian

Dass Grindcore nicht immer nur hohler Knüppelteig ist, hören wir an der neuen Scheibe von Napalm Death. Sicher wird der ein oder andere sagen “mir fehlt da die Struktur”. Im Fall von “Utilitarian” liegt das ganz einfach daran, dass Hörapparat und Gehirn nicht schnell genug folgen können. Das ist auch kein Wunder, wenn man die volle Ladung englischen Hochgeschwindigkeits-Metal an den Latz geknallt bekommt. Für die Songs gilt das Motto “sind sie zu stark, bist du zu schwach”.

“Utilitarian” strotzt nur so vor Brutalität, geizt jedoch nicht mit ausgefallenen Mitteln. In “The wolf I feed” und “Leper colony” werden klare Gesangspassagen in Kontrast zum zarten Stimmchen von Barney gesetzt und “Fall on their swords” enthält sogar eine (Ab)art von Chor. John Zorn versorgt “Everyday Pox” mit zornigen Saxophon-Klängen, während “Aim without an aim” eher synthetisch begleitet wird. Doch die sympathischen Briten haben keinesfalls vergessen, was sie schon seit dreißig Jahren machen. Sie versorgen uns nämlich weiterhin fleißig mit Blastbeats, einer Menge Groove und selbstverständlich Maximum Distortion.

Lieder wie “Collision course”, “Nom de guerre” oder “Protection racket” liefern die amtliche Grind-Power, ohne auf die gewisse Portion Punk zu verzichten. Ein wirklich hervorstechender Burner ist schwer auszumachen, vielmehr kann man allen sechzehn Titeln mit nahezu unveränderter Begeisterung lauschen. Auf “Utilitarian” ist nichts vorhersehbar und Monotonie ein Fremdwort. Getreu dem Ideal des Utilitarismus kann also jeder Fan der härteren Gangart seinen vollen Nutzen aus dieser Platte ziehen.

Fakten
Band: Napalm Death
Herkunft: England
Album: Utilitarian
Label: Century Media Records
VÖ-Datum: 27.02.2012
Genre: Grindcore / Death Metal
Titelanzahl: 16
Dauer: 46:11
Sonstiges: Der Amerikaner John Zorn liefert in “Everyday Pox” Saxophon-Klänge; Limited Edition enthält 2 Bonustracks, die Vinyl-Ausgabe enthält einen zusätzlichen Titel

Album-Review: Ektomorf – The Acoustic

Ein Akustik-Album von Ektomorf? DIE Oberthrasher aus Ungarn? Das wird sicher spannend…

“The Acoustic” besteht sowohl aus bekannten als auch völlig neuen Titeln, was die Sache umso interessanter macht. Kennt man Ektomorf, dann fallen sofort die Songs auf, die einmal Metal waren. Das ist sehr schade, denn eigentlich sollte man als Musiker wissen, dass eine Bearbeitung in einen anderen Stil ein gewisses Arrangement voraussetzt. Das lässt sich allerdings selten finden und so funktionieren fast alle ehemaligen Thrash-Nummern im Gewand der Akustik-Gitarren leider nicht. Vielmehr wirkt es so, als ob im Proberaum der Strom ausgefallen ist – und wer wünscht sich das.

Die neu geschriebenen Tracks hingegen kommen viel stimmiger rüber, was wohl daran liegt, dass sie von vornherein auf einen akustischen Sound ausgelegt wurden. Die Produktion allerdings macht der Wirkung einen weiteren Strich durch die Rechnung. Die Drums klingen viel zu wuchtig und passen dadurch einfach nicht zum ruhigen Charakter der Lieder. Streng genommen halten sich die Burschen auch nicht immer an alle wesentlichen Merkmale akustischer Songs, denn sie können es bei “Through your eyes” und “Simple man” einfach nicht lassen, die Verzerrung einzuschalten. Bei “Folsom Prison Blues” hätte sich Mr. Cash wohl gefragt, wo denn das Solo bleibt. Der King of Country hat den Song definitiv mehr gerockt als Zoltán und seine Kumpel. Nichtsdestotrotz lassen sich sehr gelungene Titel finden, wie z.B. “Be free” und “Fate”. “I’m in hate” wirkt sogar stärker als die ursprüngliche Version.

Sollten Ektomorf “The Acoustic” gebraucht haben, um wieder zu ihrer kreativen Leistung aus Destroy/Instinct-Zeiten zurückkehren zu können, dann hat sich das Album gelohnt. Und so machen sie hoffentlich schon bald wieder das, was sie am besten können: Schreien und draufhauen.

Fakten
Band: Ektomorf
Herkunft: Ungarn
Album: The Acoustic
Label: Afm Records
VÖ-Datum: 17.02.2012
Genre: Thrash Metal / Acoustic
Titelanzahl: 12
Dauer: 47:16
Sonstiges: Special Acoustic Show am 21.4.2012 im LA Lifestyle Club in Cham (bei Regensburg)

Album-Review: Suicidal Angels – Bloodbath

Dieses Tempo können die doch unmöglich durchhalten! Und ob sie können! Rasend schnell produzieren die Suicidal Angels neue Alben und noch rasanter preschen sie in ihren Songs vorwärts.

Auf die Ohren gibt es Thrash Metal der alten Schule. Und dass der noch lange nicht von gestern ist, beweisen uns die Griechen auf “Bloodbath” bereits zum vierten Mal. Wer viel Geschnörkel mag, wird sich vielleicht langweilen. Aber wozu Abwechslung, wenn doch auch ununterbrochenes Geprügel seinen Zweck erfüllt?

Dass trotzdem jedes der zehn Lieder eine Perle für sich darstellt, sollte klar sein. Der Opener “Bloodbath” bestätigt sofort die Erwartung, dass sich am sympathischen Akzent von Nick Melissourgos nichts geändert hat (oder singt er doch “let burn”?). “Moshing Crew” beschert uns schweißtreibende Abende im Moshpit und in “Legacy Of Pain” gibt es Besuch vom Bolt Thrower-Sänger Karl Willetts. Der zeigt Erbarmen und gönnt uns eine kurze Verschnaufpause, bevor mit “Torment Payback” ein besonderes Sahne… ääh Tzatziki-Stück aus heftigster Aggression und feinster Melodie folgt.

Das Ende des Albums ist bei so viel Highspeed-Metal natürlich viel zu schnell erreicht, aber hat man sich vorher noch nahtlos alle anderen Scheiben der selbstmörderischen Engel angehört, sollte man vielleicht auf seine Kosten gekommen sein. “Bloodbath” knüpft erstaunlich gut an seine drei Vorgänger an und verzichtet weitgehend auf musikalische Neuerungen, ohne aber eintönig zu werden. Endlich mal wieder eine moderne Band, die uns auch ohne großartige Innovationen zeigt, wo es lang geht: Back to the roots nämlich! Und das nächste Album lässt wahrscheinlich auch nicht mehr lange auf sich warten.

Fakten
Band: Suicidal Angels
Herkunft: Griechenland
Album: Bloodbath
Label: NoiseArt Records
VÖ-Datum: 27.01.2012
Genre: Thrash Metal
Titelanzahl: 10
Dauer: 43:01
Sonstiges: Karl Willetts (Bolt Thrower) als Gast bei “Legacy Of Pain”; im Februar auf der Full-of-Hate-Tour mit u.a. Cannibal Corpse, Behemoth und Misery Index

Album-Review: Eluveitie – Helvetios

Ziemlich genau ein Jahr nach Erscheinen von “Everything Remains As It Never Was” serviert uns die achtköpfige Mannschaft um den Anführer Chrigel Glanzmann ihr mittlerweile fünftes Studioalbum. Eluveitie sorgen auf dem einstündigen “Helvetios” für noch mehr Abwechslung als man es ohnehin schon von ihren Meisterwerken wie “Slania” oder das Debut “Spirit” gewohnt war.

Die Schweizer überzeugen einerseits durch auffälligen Einsatz folkloristischer Instrumente, ohne auf der anderen Seite mit einem harten Metalbrett zu geizen. Das Konzept, ein Gebräu aus melodischem Death Metal und Folk zu brauen, geht wieder einmal auf. Obwohl diese Idee nicht ganz neu ist und Eluveitie auch nicht die Ersten sind, die eine derartige Mischung gewagt haben, besticht ihr aktuelles Album gerade durch die Vielfalt im Songwriting, das selbst ohne die Folkelemente super funktionieren würde.

Veränderung wird auf “Helvetios” groß geschrieben, ohne dabei den eigenen Stil aus den Augen zu verlieren. Eher ruhige – aber nie langsame – Songs treffen auf reinste Gewaltausbrüche, doch auch regelrechte Ohrwürmer sind hier Programm. Dabei erinnert das grandiose “Luxtos” sogar ein wenig an Korpiklaani. “The Siege” liefert die volle Palette reinstem In-die-Fresse-Metal, während das direkt anschließende “Alesia” eher melancholisch und gefühlvoll daherkommt (ob das vielleicht am Frauengesang liegt?). Gesprochener Prolog und Epilog begrenzen dieses Prachtexemplar eines Albums. Der Hörer kann sich also entspannt zurücklehnen und wird von Anfang bis Ende durch eine Welt begleitet, in der nichts so ist, wie man es bisher kannte.
Zu guter Letzt muss natürlich noch zum zehnjährigen Bandbestehen gratuliert werden! Alles was man sich für die nächsten zehn Jahre wünscht, liegt aber schon auf “Helvetios” vor. So kann es weitergehen!

Fakten
Band: Eluveitie
Herkunft: Schweiz
Album: Helvetios
Label: Nuclear Blast
VÖ-Datum: 10.02.2012
Genre: Folk/Melodic Death Metal
Titelanzahl: 17
Dauer: 59:12
Sonstiges: Limited Digipak kommt mit Bonustrack und DVD

Jahresrückblick 2011

Das Weltuntergangsjahr 2012 hat schon eine kleine Runde gedreht. Dennoch will ich es mir nicht entgehen lassen, das vergangene Jahr aus Sicht des Metal Revue passieren zu lassen.

Ende und Neubeginn

Genauso, wie sich das Datum des Weltuntergangs ständig ändert, so ändern sich auch der geplante Abgang der SCORPIONS (mit angeblich letzter Open-Air-Show 2012) sowie die geplante Veröffentlichung eines neuen MANOWAR-Albums. Hier gilt einzig und allein das Motto “Bleibt bei uns, liebe Fans. Wir sind sehr berühmt und wir dürfen das.”

Andere Bands hingegen treten wirklich ab, wenn sie es sagen – auch, wenn man sich das nicht wünscht.
Ihr Ende verkündeten im vergangenen Jahr die Niederländer GOD DETHRONED, die in 20 Jahren Bandgeschichte auf neun Alben voller feinstem Death Metal zurückblicken können.
Auch die 1988 in Schweden gegründeten Veteranen des Todmetalls DISMEMBER verabschiedeten sich 2011 von der Bühne.

Eine andere schwedische Truppe allerdings reaktivierte sich (schon Ende 2010) nach langer Abstinenz und ließ es auf einigen Konzerten endlich wieder so richtig krachen. Die Rede ist natürlich von AT THE GATES.
Auch SYSTEM OF A DOWN meldeten sich zurück, nachdem man satte fünf Jahre von ihnen weder etwas gesehen noch gehört hatte.
Ein besonderes Highlight lieferten BLACK SABBATH, die Ende des Jahres verkündeten, wieder in ihrer kompletten Urbesetzung in Form von Ozzy, Geezer Butler, Bill Ward und Tony Iommi aktiv zu werden.
Nicht gerade eine Metalband, aber dennoch sehr erwähnenswert: TURBONEGRO verkündeten, dass sie einen neuen Sänger gefunden haben. Das Bühnencomeback wurde im Hamburger Knust unter wahnsinnigem Applaus zelebriert. Momentan sitzen die Jungs im Studio und sind (hoffentlich) fleißig am Schreiben und Aufnehmen neuer Songs.
Von diesen Bands kann man im neuen Jahr also auf jede Menge Aktivitäten gespannt sein.